Der Türkenlouis-Pfad Breitnau

Ein Vorkonzept von WÄLDERLEBEN e.V.

  1. Die Schwarzwaldlinie
  2. Der Türkenlouis und seine Schanzen
  3. Zur Situation in Breitnau
  4. Warum der Türkenlouis-Pfad
  5. Quellen

 

Die Schwarzwaldlinie:

Die sogenannte Schwarzwaldlinie - ein rein defensives Verteidigungssystem des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden (1655-1707) - zog sich von Bad Säckingen bis nach Heidelberg – und darüber hinaus.

 

Diese Schanzen erstreckten sich in zwei Linien:

  1. die „Vordere Linie“ zog vom Hotzenwald (Rothaus), Gersbach-Mettlen- Schlechtbach-Gleichen-Letze im Wald bei der Hohen Möhr, Schänzle oberhalb Zell-Hirschbühl am Zeller Blauen mit Mauer zum Blauengipfel, Wolfsacker, Böllener Hau (2 Schanzen oberhalb Neuenweg), Wiedener Eck bis Breitnau und dann bis nach Mainz herauf.

  2. Die „Hintere Linie“ verlief mit Angelpunkt Mettlener Schanze, Schanze am Gersbacher Eck (Punkt 933), Schanze oberhalb Todtmoos Au, Schwarzenbach, Weissenbachsattel, Hochkopf nach dem Herzogenhorn.

Der Türkenlouis und seine Schanzen

3. Der Türkenlouis und seine Schanzen – Barocke Verteidigungstechnik im Südschwarzwald

 

Der Türkenlouis-Pfad beleuchtet Taktik und Strategie des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden, dem legendären Türkenlouis und seiner rein defensiven Verteidigungslinien im Schwarzwald.  Dazu gehören auch die barocken Schanzen (Erdwerke) in ihren Formenvielfalt sowie eine Vielzahl von Defensivsystemen, die bereits erfolgreich bei den Römern zum Einsatz kamen und bis zum heutigen Tag ihre Bedeutung nicht verloren haben.

 

Das Leben im Barock – damit verbinden sich gängige Vorstellungen von prachtvollen Kostümen, klangvoller Musik, atemberaubender Malerei und traumhaften Schlössern. Ein  Leben voller Prunk, goldenem Glanz und absolutem Luxus.

 

Dieses Bild entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Klischee.

 

Die alles überstrahlende Vorderseite hat auch eine düstere Kehrseite:

Der Barock als Epoche europaweiter und regional heftig geführter Kriege und einer Zeit, in der für das einfache Volk über Jahrzehnte der Friede nur eine vage Hoffnung und der Krieg allgegenwärtig war.

 

Der Türkenlouis-Pfad bedient daher nicht die gängigen Klischees des Barock, sondern widmet  sich vor allemh dem Leben und Schaffen jener Menschen, die als zwangsverpflichtete Bauern ein Leben zwischen Hof und Wall, Pflug und Schanze fristeten und an deren Tischen der Hunger alltäglicher Gast war. 

 

Auch die Schwarzwälder Schanzbauern – ausgerüstet nur mit einfachen Holzspaten und hölzernen Schubkarren – mussten immer gerade dann die massiven „Erdwerke“  (Schanzen) errichten, wenn sie ihre Felder bestellen oder die Feldfrüchte ernten sollten. Damals diktierte die Natur den Feldherrn das Zeitfenster für ihre Feldzüge: Um die unzähligen Pferde, die für den Transport der Truppen und der „Fourage“ notwendig waren, zu ernähren, musste bereits Gras wachsen, aber entsprechend der Vegetationszyklen war dies auch die wichtigste Zeit der Bauern für die Feldbestellung.

 

So war nicht nur der Krieg selbst eine unmittelbare Bedrohung von Haus und Hof, sondern bereits die Vorbereitung und der Bau solcher Verteidigungslinien eine existentielle Gefährdung der bäuerlichen Ernährungsbasis.

 

Da bekanntlich der Krieg seinen Mann ernähren musste, bedeuteten aber auch Zwangseinquartierungen, Teilungen, Truppendurchzüge oder Überfälle durch marodierende Soldaten eine stets lebensgefährliche Bedrohung des bäuerlichen Alltags.

 

Ausgehend von den Schanzbauern des Dreißigjährigen Krieges beleuchtet der Türkenlouis-Pfad neben den, in die Geschichtsschreibung der Nationen eingegangenen „Großen Kriege“,  ihrer Entscheidungsschlachten und ihrer Helden – ganz besonders die Lebenssituation der Bäuerlichen Bevölkerung im Barock und stellt die die defensiven Verteidigungssysteme, die im sog. „Kleinen Krieg“ eingesetzt wurden dar. Nicht der Krieg, sondern der Soldat ist des Bauern ärgster Feind – so die Erfahrung jener Zeit.

 

So wurden aus Werkzeugen fürchterliche Waffen und die Schwarzwälder Bauern setzten sich mit einfachsten, aber wirkungsvollen Verteidigungsmaßnahmen zur Wehr: Sie kannten ihr Land wie die eigene Hosentasche und wussten genau, wo sie die von allen Soldaten gefürchteten Steinlawinen, Wolfsgruben, Krähenfüße, Baumfallen und Letzen, Hage, Gatter und Haue platzieren mussten, um den Vormarsch feindlicher Truppen aufzuhalten und zu vereiteln.

 

Regionaler Schwerpunkt sind die -in dieser Form - einzigartigen Schanzanlagen im südlichen Schwarzwald.

 

Die Schanzen sind tragender historischer Bestandteil der Geschichte der Breitnauer Höfe und damit des bäuerlichen Lebens im Schwarzwald.

 

Die Urururgroßväter der heutigen Besitzher der Breitnauer Hofgüter wurden zu Schanzarbeiten und Wachdiensten herangezogen.

 

1690 brennt Breitnau! (Franzosenüberfall)

 

Daraus erwächst dem Schanzenbau und der Fronarbeit ein persönliches Anliegen: der Schutz der Höfe und der eigenen Familie tritt in den Vordergrund. Die Anlagen werden Bestandteil und Zeugnis der eigenen Familiengeschichte.

 

Die Schanzen verdeutlichen die Diskrepanz des bäuerlichen Lebens im Vergleich mit dem Leben in der Stadt oder am Fürstenhof. Niemand denkt beim Stichwort Barock an Menschen, die um ihr täglich Brot ringen!

 

Um dies zu verdeutlichen und zu visualisieren schlagen wir folgendes vor:

Die verschiedenen Tätigkeiten rund um die Schanzen sollen mittels Aufsteller in zweidimensionaler Figurenform -in Originalgrösse- visuell vermittelt und erklärt werden.

Zur Situation in Breitnau:

Wir haben in Breitnau insgesamt sechs mehr oder weniger gut erhaltene Schanzen.

  1. Schanze am Haldenbuck

  2. Schanze Hohwarthöhe

  3. Ringelschanze

  4. Rossbergschanze am Naturfreundehaus

  5. Schanze auf der Beckenhöhe

  6. Schanze am Mucklewald sh. Karte

 

Des weiteren erhaltene Verbindungs-Wallanlagen:

  1. Ringelschanze mit Verbindungswall zur Rossbergschanze

  2. Rossbergschanze mit Verbindungswall zur Ringelschanze

  3. Schanze am Mucklewald mit Anschlusswall der in Richtung oberer Fahrenberg zeigt.

Die Breitnauer Schanzen sind ungewöhnlich gut erhalten, ebenso der Schanzgraben ausgehend von der Rossbergschanze Naturfreundehaus zur Ringelschanze.

 

Diese Schanzen können weitgehend problemlos wiederhergestellt und mit Tafeln versehen zu einem Geschichtslehrpfad ausgebaut werden, der entlang der Schwarzwaldlinie einzigartig ist.

 

Eine der Schanzen, die Schanze an der Hohwarthöhe, weist zudem eine ungewöhnliche Tetraederform auf, die in dieser Art einzigartig ist.

Warum der Türkenlouis-Pfad:

Unsere Region wäre um eine einmalige Attraktion reicher:

  1. Historischer Geschichtslehrpfad Barock-Schanzen

Arbeitstitel: Türkenlouis-Pfad

  1. Panorama Rundwanderweg mit Fünfländerblick: Österreich, Liechtenstein, Schweiz, Frankreich, Deutschland

  2. Erreichbar mit öffentlichen Verkehrsmitteln

  3. Einkehrmöglichkeit im Naturfreundehaus

  4. Einrichtung eines kleinen Museums mit Dioramen.

  5. Dreiländerprojekt, involviert in die Schwarzwaldlinie waren: Das heutige Österreich, Frankreich, Deutschland. Im 30-jährigen Krieg kamen weitere Länder beispielsweise Schweden hinzu.

  6. Blickverbindung der Schanzen untereinander.

  7. Langfristig wünschenswert ist der Türkenlouis-Pfad in Verbindung mit einer musealen Ausstellung inkl. Dioramen. Möglich wären zusätzlich: historisches Freilichttheater, historische Nachtwanderungen etc.,

  8. Lasershows von Schanze zu Schanze, Vierschanzentournee….

  9. Nahe der uralten Breitnauer Dorflinde befindet sich die zentrale Infotafel zum Dorfbrand 1690 (Franzosenüberfall) mit Historie und Streckenverlauf des Türkenlouispfades.

 

Wir verbinden Geschichte und Kultur mit Regio, Landschaft und herrlicher Aussicht!

Quellen:
  1. AUSSTELLUNGSKATALOG

MIT hISTORISCHEN Begleitmaterialien

Zur Sonderaustellung zum 300. Todestag

des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden

im Städtischen Museum Schopfheim

vom 22.07. – 23.09.2007

Der Türkenlouis und seine Schanzen

- Barocke Verteidigungstechnik im Südschwarzwald -

Zusammengestellt von der

AG Minifossi

Friedrich-Ebert-Schule Schopfheim

Copyright Werner Störk 2007 ©

 

  1. Jubiläumsfestschrift Naturfreunde

  2. LVA topografische Karte